Coronahilfe Neuss - Unser Corona Tagebuch
April 11, 2020

Coronahilfe Neuss Tagebuch – Tag 29

Bei mir kehrt etwas Ruhe ein. Ostern steht vor der Tür. Es wird ein anderes Ostern sein.

Ich habe heute früh die Einkäufe zu meinem Paten“kind“ gebracht. (Wer nachlesen mag: Tag 8)

Gestern hat mir die junge Mutter auf Nachfrage ihren Einkaufszettel geschickt. Und auch, wenn es „nur“ zwei Personen (Mutter und Kind) sind, war der Zettel viel zu kurz und ich sehe, dass alle Wünsche für das Kind sind. Ich habe also nachgefragt: „Und was wünschst du dir für dich zum Essen?“

Sie nennt drei weitere bescheidene Wünsche.

Ich mache den Einkauf für insgesamt 9 Personen (wir sind 5, meine Eltern dazu sind 7 plus meine Paten“kinder“) heute früh um 7 Uhr. Ihre Sachen verschwinden quasi in unserem Ostereinkauf. Ich bringe ihr die Tüten.

Kurz darauf bekomme ich eine Sprachnachricht. Sie fragt, ob das wirklich alles für sie ist. Ja, das bestätige ich. Lebensmittel, die für uns so selbstverständlich sind, habe ich eigenmächtig ergänzt. Aus einer Rolle Toilettenpapier von der Liste wurde ein Paket. Es kam noch Eis dazu, Nudeln, sogar Hefe habe ich die Woche ergattert. Und natürlich gab es auch etwas, was der Osterhase morgen bringen kann.

Der Kontakt ist auch für mich sehr berührend. Es ist eine Welt, mit der ich bislang wenig Berührung hatte und da steckt eine Chance drin. Für beide Seiten.

Und dennoch bleibt ein fader Beigeschmack. Warum ist es überhaupt notwendig, dass eine junge Mutter in dieser Notlage ist. Und was muss sich ändern, damit es sich ändert?

Ich möchte hier keine (System-)Diskussion „anzetteln“, möchte mich für meine Gedanken nicht rechtfertigen. Es sind einfach nur die Gedanken einer Mutter, die mit einer anderen Mutter mitfühlt.

So wird auch mein Osterfest in diesem Jahr ganz anders sein und ich bin unendlich dankbar, dass ich es mit meinem Mann, meinen drei Söhnen und – mit Abstand – meinen Eltern verbringen darf. Die bestellten Bücher sind noch nicht da. In jedem anderen Jahr hätte mich das unzufrieden gemacht. Jetzt ist es egal. Wir haben uns. Wir sind gesund. Und wir haben ein himmlisches Ostermenü von Felix Behnert. Das reicht.

Die acht Gabenzäune, ein Gabentisch, eine Gabenbrücke und die Versorgungsstelle Barbaraviertel laufen und ich möchte jedem Spender, jedem Ehrenamtler danke sagen. Infos zu Gabenzäunen

Die Webseite ist online und wird aktuell schon in erster Runde überarbeitet und erweitert. Auch dort allen ein herzliches Dankeschön!

Das Paten-Projekt läuft. Weiterhin kann jederzeit Unterstützung angefragt werden. Infos Patenprojekt

Danken möchte ich auch denen, die hier Hilfe leisten, wenn welche nötig ist. Glücklicherweise scheinen die Nachbarschaftshilfen so gut zu funktionieren, dass hier in der Gruppe gar nicht mehr so ein großer Bedarf ist. Das freut mich.

Mich erreichen natürlich weitere Anfragen mit Ideen, was man noch alles tun könnte. Ich freue mich über jede Initiative, die sich bildet, um zu unterstützen. Startet einfach, so wie dieses Projekt auch vor vier Wochen einfach gestartet ist. Es braucht immer nur einen, der den Hut anzieht und einige, die mitmachen. Dann kann daraus etwas Großes erwachsen.

Ich wünsche Euch allen von ♥ Ostertage der inneren Verbindung und des äußeren Abstands. Mit viel Sonnenschein von oben und für die Seele!

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